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Geschwisterprogramm 2009

Zwischen Abenteuerlust und Teamgeist oder ein Wochenende voller Spaß

„Konzept voll erfüllt“, könnten wohl die einen sagen. Tierisch viel Spaß hatten die anderen. Als vollen Erfolg betrachten somit wohl alle – Kinder wie Eltern – das diesjährige Erlebnisprogramm für Geschwisterkinder beim Familienwochenende in Brodten.

Die beiden Erlebnispädagogen Philip Hansen und Jonas Hettwer stellten ein Programm für Groß und Klein zusammen, welches sich sehen lassen konnte. Von Kletteraktionen am Boden, sowie in luftiger Höhe, bis zur Nachtwanderung mit Geländespiel war alles dabei. Die Geschwister bekamen die Möglichkeit sich selbst und ihre Fähigkeiten in der Gruppe zu erproben – vielleicht auch einmal an ihre Grenzen zu stoßen.Organisatorin und Mutter Barbara Bloch dazu: „Uns war wichtig, dass die kleinen und großen Geschwisterkinder jeweils ganz auf ihre Kosten kommen und zugleich aber auch gemeinsam etwas erleben.“ So gab es gemeinsame Aktionen, z.B. Klettern, auf dem Gelände, sowie für die Älteren eine Fahrradtour und die Abend- und Nachtaktivitäten. Währenddessen hatten dafür die kleineren Kinder den Spielplatz und das Spielhaus ganz für sich allein.

Unter dem Motto der Initiatoren „Wir sind gemeinsam stark“ und „Ich bin nicht allein“ zeigte sich tatsächlich die enorme Teamfähigkeit und der starke Zusammenhalt unter den Kindern und Jugendlichen. Die fünf Älteren bildeten schnell eine eingeschworene Gemeinschaft. Frei nach dem Grundsatz: Jeder hilft jedem – jeder gehört dazu. So nahm der 14-jährige Paul – trotz gebrochenen Armes – beim nächtlichen Geländespiel die 8-jährige Ronja kurzerhand auf die Schultern, um ihr den Lauf durch das unwegsame Gelände zu erleichtern. Ein gelungenes Programm fanden alle - ein Programm für Geschwisterkinder, um dem Alltag mit der behinderten Schwester zu entfliehen? Vielleicht, aber nicht nur. In einem Moment stellte sich sicher bei einigen ein Aufatmen ein, einmal etwas unternehmen zu können ohne Rücksicht auf die behinderte Schwester zu nehmen. Im nächsten wurde jedoch mit Feuereifer eine Disco für die Rett-Mädchen organisiert. Eine gute Mischung also, die alle mit einem guten Gefühl nach Hause fahren ließ. Und bei vielen fuhr zusätzlich die Hoffnung auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr mit. Auch Barbara Bloch zeigte sich zum Abschluss zufrieden: „Wir denken, dass ein angeleitetes Programm durch Erlebnispädagogen das Richtige für den Rahmen eines Familienwochenendes ist.“ Denn es gehe schließlich auch schlicht und einfach um Gleichberechtigung, da für Eltern und Rett-Mädchen ein ebenso umfangreiches Angebot bestehe.

Anna Pechbrenner (21, Schwester von Rett-Mädchen und Betreuerin).

Das Geschwisterprogramm beim Familienwochenende in Brodten

Ein Bericht von Paul Bloch

1. Tag:  Die anderen haben es zwar nicht gerochen… aber als ich aus dem körperlichen Halb- und geistigen Tiefschlaf aufgewacht bin und das Auto langsam die Auffahrt raufgerollt kam, hab ich die Meeresluft als erstes bemerkt und das hieß: ich war in Brodten!Ganz besonders gefreut haben Marcel, Julia, Svenja, Ronja und ich uns, als wir erfahren haben, dass zwei super Betreuer kommen werden! Nicht irgendwelche, nein, es waren Phillip und Jonas, die letzten Herbst das Geschwisterwochenende in Wettenbostel ausrichteten (Marcel hat in der Rettland 22 darüber berichtet). Es war ein tolles Wochenende damals; wir hatten Spaß im Canadischen Hot-Tub; bei der Nachtwanderung und beim Bauen einer Seilbrücke über eine kleine Schlucht.Zwar haben diesmal ein paar Freunde vom letzten Mal gefehlt, aber zu fünft hatten wir trotzdem viel Spaß. Aber, wieso schreibe ich eigentlich "trotzdem"? Gleich am Freitag hatten wir unseren ersten Programmpunkt: Nach dem Essen waren wir bei den Steilklippen und sind dort Spazieren gegangen. Da habe ich das Meer dann auch gesehen, nicht nur gerochen.
Am selben Abend haben wir, als es dunkel war, ein Nachtgeländespiel gespielt. Wir waren  zu einem Golfplatz gewandert und haben uns dort in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekam einen Handschuh. Zu unterschiedlichen Zeiten sind alle Gruppen dann aufgebrochen; die Handschuhgruppe musste sich verstecken, während die anderen versuchten den Handschuh zu ergattern und den anderen ab zu nehmen. Da jede Gruppe den Handschuh jagte, hatte er immer neue Besitzer.

Das Ganze wurde jedoch durch Disteln, das sehr hohe Gras und durch die Größe des Geländes erschwert. Am nächsten Tag haben wir die Spielregeln des Nachtgeländespiels dann noch abgeändert. Aber das verrate ich euch erst später.Da das Gras nass war und die Hosen nach 20 Minuten auch, haben wir um 24 Uhr noch ein Spiel gespielt, bei dem  man in Ruhe im Haus sitzen konnte. Später - die Uhrzeit wird nicht verraten - gingen wir schlafen.

2. Tag: Wie ein Stein…habe ich geschlafen. Am zweiten Tag bin ich dann, für meine Verhältnisse sehr früh – und nicht ganz freiwillig - aufgewacht. Marcel kam um 9:00 in mein Zimmer und hat die Bettdecke geklaut. Dabei war das Schlafen so gemütlich!Gemeinsam sind wir zum Frühstück gegangen und haben uns das Essen schmecken lassen. Kurz darauf haben wir auch schon eine Fahrrad-Tour begonnen. Dazu muss ich sagen, dass ich (mit gebrochenem Arm) mit Phillip auf einem roten Fahrrad gefahren bin. Auf einem Tandem! Das war zwar unbequem, aber auf dem Weg fiel das kaum auf. Am Strand angekommen, haben wir gegrillt und es uns in einer windgeschützten Mulde bequem gemacht. Das Essen war umso leckerer!Am Nachmittag kamen wir zurück und nach einer Pause kletterten wir mit Jonas an einer Strickleiter, die an einem Baum festgebunden war, hoch. Phillip hatte uns vorher erklärt wie man seine Kollegen sichert, damit sie nicht in der Gegend „herum fallen“ und dann ging`s los! Anna ist als Einzige ganz nach oben geklettert. Sie stand am Schluss auf dem Ast, an dem die Strickleiter festgebunden war! Ich durfte sie mit Marcel sichern. Vollgepumpt mit Adrenalin, kam Anna am Boden an. Aber immerhin heile und erschöpft. Das normalisierte sich nach dem Abendessen, als DJ Anna die Disco für unsere „Rett-Schwestern“ auf Trapp hielt. Spät abends, nach dem "Bus stop Dance" und der "Polonäse" teilte sich die Gesellschaft. Alle Retties träumten im Traumland, die Erwachsenen schliefen größtenteils in der Sauna oder vergnügten sich in gemütlicher Runde, und wir? Wir fünf mit Jonas und Phillip, …..  na wir spielten das Nachtgeländespiel in der abgeänderten Variante!Die geänderte Regel bestand im Übrigen darin, dass alle Personen Augenbinden bekamen. Ohne irgendetwas zu sehen, irrten sieben komplett komisch aussehende Personen völlig ziellos über einen Golfplatz, in der Hoffnung gegen keine Wächter zu laufen! Aber weder erwischte uns ein Wächter, noch fiel jemand in den Sumpf nebenan.

3. Tag: Aus dem Traumland geholt …wurde ich am Sonntag zwar etwas freundlicher, dennoch zu früh.

Das jetzt eindeutig sichtbare Schlafdefizit wurde durch die hier nicht angegebenen kurzen Schlafphasen ausgelöst. Nach dem Frühstück (wie immer lecker)  gingen wir mit den kleinen Geschwistern zur "Slackline". Das erste Band war ca. 8cm breit und in einem Meter Höhe von einem Baum zum nächsten gespannt, das zweite, diesmal ein rotes Band, war wesentlich dünner und straffer gespannt. Es hing auch waagerecht zwischen zwei Bäumen. Schön und gut, aber darauf zu gehen ist echt schwer.  Phillip war da ein Profi, zwischendurch ging er sogar rückwärts!Nach dem Mittagessen verließen wir die Zimmern. Zwei Drittel der Leute waren bereits auf dem Rückweg. Das ist ziemlich viel im Vergleich zu den letzten Jahren und wir waren bei dem Spaziergang an den Steilklippen nur noch weniger als 5 Rolli Fahrer. Aber es hat umso mehr Spaß gemacht!
Während einige Betreuer neue "Connections" geknüpft haben, packten wir das Auto und fuhren um 15:00 aus Brodten, vom wunderschönen Wochenende, zurück nach Lüneburg

…sehnlichst das kommende Geschwister-Wochenende erwartend.

Paul Bloch